„Mobil bleiben, aber sicher“
Der erste Baustein des Konzeptes der Verkehrswacht Mülheim steht.
Das Konzept: Wir wollen den älteren Menschen in Mülheim eine Möglichkeit anbieten, fachlich profund zu testen, ob sie einen Pkw sicher durch den Straßenverkehr führen, sie durch Training dazu besser und sicherer zu befähigen oder diejenigen, bei denen das nicht möglich ist, zu überzeugen, auf Alternativen (z.B.ÖPNV) umzusteigen . Dabei sollen aktuelle Techniken erläutert, bestehende Regeln aufgezeigt, sowie Fahrsituationen trainiert werden, die den Betroffenen Sorgen machen, wie z.B. Fahrspurwechsel auf der Autobahn, und die viel zu oft dazu führen, dass sie gar nicht mehr Autofahren. Sie sollen umfassend üben, wie sie Risiken im Straßenverkehr vermeiden.
Am 28.Sept. 2026 stiegen Helma und Heribert P. (beide Ü80) mit bangen Erwartungen in das Fahrschulauto des Fahrschullehrers Sebastian Löbbert, begleitet von Gunter Zimmermeyer von der Verkehrswacht Mülheim, um den ersten Baustein des Konzeptes zu testen. Sie fühlten sich weniger als Testpersonen für ein neues Konzept der VWMH, sondern hatten ungute Erwartungen, wie sie wohl von den Fachleuten beurteilt werden. Den Beteuerungen, dass es in erster Linie darum geht, mobil und sicher zu bleiben, wurde gemäßigt Vertrauen geschenkt.
Auf dem Fahrersitz zuerst mal Staunen, was Spiegel alles können, wenn richtig eingestellt und dass erlaubte Zusatzspiegel den Toten Winkel sichtbar machen können. Der steife Nacken ist plötzlich kein Sicherheitshindernis mehr. Und übrigens wird der Nacken wieder geschmeidiger, wenn man jeden Abend ein paar Übungen macht. Das hilft nicht nur der Sicherheit.
Und noch nie hatte man so verständlich von der Funktion der vielen Knöpfe gehört und aussortieren können, was wann, und wozu wirklich wichtig ist und was nicht.
Und dann los; nein nicht mit viel Gas, sondern defensiv und rücksichtsvoll und nicht drängen und bedrängt fühlen. Besonders auf Parkplätzen, wo Senioren*Innen die meisten Unfälle verursachen, indem sie z.B. Gas und Bremse verwechseln. Das lässt sich vermeiden, wenn der rechte Fuß nicht auf dem Gas, sondern über der Bremse bleibt. So ist es bei einem Schreck die Bremse, die getreten wird und der unkontrollierte Aufprall auf Vordermann oder Nachbar wird vermieden. Zimmermeyer hält das für das 1. der 10 Gebote der „Rentner-Straßenverkehrsordnung“.
Und das 2. Gebot: Üben! Keine Woche ohne ein oder 2x am Steuer. „Wer wochenlang abstinent ist, muss sich nicht wundern, dass er mit dem Auto nicht zurechtkommt und Unfälle baut“ meint der Fahrlehrer.
Mit dem Verkehrswachtler ist er der Meinung, dass beide Trainierende durchaus fahrtüchtig sind und sich selbstsicher als Autofahrer in den Straßenverkehr wagen sollen, dabei aber defensiv, vorausschauend und rücksichtsvoll. Und Fahrlehrer Löbbert meint:“ Mit Eurem Fahrverhalten seid ihr von Risikosituationen weiter entfernt als viele Jugendliche, die zu oft an oder über die Grenzen gehen.“
Für das Konzept braucht es dann noch Bekanntmachung, Finanzierung und Ausweitung auf viele ältere Menschen und wenn der Bedarf geweckt ist, auch mehr Angebote durch mehrere Fahrschulen.
Und wenn diese Aktion erfolgreich läuft, sollen auch Führerscheinneulinge einbezogen werden.
Eine Woche nach der ersten Test/Übungs/Trainingsstunde war am 5.10.26 die zweite, diesmal mit dem eigenen Pkw und mit viel Baustellen und Autobahn.
Und beide Helma und Heribert P. haben sich nochmals verbessert, nochmals dazu gelernt und insbesondere Achtsamkeit, Seitenblick, Auffahren auf die Autobahn, Spurwechsel und Bremsen trainiert. Wie wichtig sind da Tipps des Fahrlehrers, z.B. wenn beim Auffahren auf die Autobahn der Platz auf der rechten Spur noch nicht ausreicht, nicht zu Bremsen, sondern den Parkstreifen (mit Augenmaß) zu nutzen, um die sichere Lücke mit angeglichener Geschwindigkeit zu finden.
Fahrlehrer Sebastian Löbbert und Verkehrswachtler Gunter Zimmermeyer konnten mit Überzeugung den beiden Senioren attestieren, dass sie voll fahrfähig sind und vorbildlich fahren und damit mit dem Pkw mobil bleiben können und das auch praktizieren sollten. Übung hält fit und sicher.
Mit dieser Erfahrung aus dem ersten gemeinsamen Kurs haben Verkehrswacht und Fahrschule vereinbart, dieses Konzept nicht nur fortzusetzen, sondern schrittweise auszuweiten.
Mit dem erwarteten steigenden Interesse wird die VWMH nach Sponsoren suchen, die dieses Konzept weiter finanzieren. Es ist zu hoffen, dass die Bereitschaft dazu in Mülheim groß ist, denn mit diesem Konzept werden die persönlichen Bedürfnisse der Mülheimer Senioren nach Mobilität erfüllt mit der Befähigung zu mehr Sicherheit. Wir hoffen, dass die Polizei-Unfallstatistik das alsbald ausweist.






